Seit meinem 18. Geburtstag bin ich begeisterter Motorradfahrer. Schön
gemütlich über die Dörfer, über einsame Landstraßen und herrliche Alleen,
das ist meine Devise. Rasen mit Plastikbombern auf der Autobahn mit über 200
Km/h sollen andere machen. Ich genieße lieber die Landschaft beim fahren !
Angefangen hat alles nach meinen 18. Geburtstag mit einer Suzuki GS 450 T mit 43
PS in schwarz. Für einen Anfänger ein ganz schönes Geschoss, aber bald wurde
mir klar, das 9.000 Umdrehungen meinem Gehör doch mächtig auf den Geist
gingen. Deshalb hier nur ein Bild der damaligen Maschine.
Der bekannte Spruch: "Es geht nichts über Hubraum, außer noch mehr
Hubraum !" wurde auch mir bewusst und schon nach einer Saison mit der
Suzuki musste was neues, d.h. gebrauchtes her.
Es sollte also etwas größeres her. Zuerst schwebte mir etwas klassisches
vor. Eine Triumph Bonneville mit 750 ccm Zweizylinder Reihenmotor. Schöne Form,
einfach aber robust aufgebaut und mit tollem Sound. Nur wie war das mit dem
ganzen Werkzeug für so einen Engländer ? Gab's da nicht so etwas wie zöllige Schrauben ? Und
wie sieht es mit der Ersatzteilversorgung aus ?
Alles Fragen, die mich letztendlich doch von dem Gedanken an einen Engländer
abhielten.
Also weiter suchen.
Gesucht wurde also ein Motorrad mit rund 750 ccm (mehr war mir damals zu
teuer), welches ein klassisches Aussehen hat und gut selbst zu warten ist. Die
Ersatzteilversorgung sollte auch nach Jahren noch gesichert sein und keine
Unmengen an Geld verschlingen.
Da kam ich dann irgendwann auf Motorräder der Marke BMW.
Deutsche Qualitätsarbeit, langlebig, Ersatzteilversorgung dank Baukastenprinzip
kein Problem und reparaturfreundlich, da Kardanantrieb und alle Motorteile gut
zugänglich.
Zuerst war mir eine BMW zugegebener Weise ein wenig zu altbacken für einen
Motorradbegeisterten mit damals gerade 19 Jahren, aber mit der Zeit gewöhnte ich
mich an den Gedanken und die Vorteile eines BMW-Boxers überzeugten mich
zunehmend.
An dieser Stelle sei gleich gesagt, wenn ich hier von BMW spreche meine ich
die guten alten Boxermodelle, nicht die K-Serie oder die neuen Boxer. Die mögen
zwar auch ihre Anhänger haben sind mir aber viel zu modern oder anders
ausgedrückt zu japanisch.
Lange Rede kurzer Sinn:
Es sollte also eine BMW R75 der Baureihe /5 werden. Dieses Modell hat noch die
optisch schönen Trommelbremsen (Achtung: Immer rechtzeitig Bremsen !) und das
robuste 4 Gang Getriebe, was zum schaltfaulen Fahren geradezu einlädt. Ein 24
Liter Tank sorgt für lange Fahrzeiten ohne das lästige Nachtanken. Der, in den
Scheinwerfer eingebaute Tacho plus, man höre und staune, einem Drehzahlmesser ist
eine weitere optische Schönheit.
Kaum stand der Entschluss fest, wurde im Gebrauchtmarkt nach einem solchen
Motorrad gesucht und auch schnell ein entsprechendes Teil gefunden. Von Außen
sah die Kiste damals recht heruntergekommen aus, aber der Motor verrichtete ohne
zu Murren seinen Dienst und auch sonst schien technisch alles OK zu sein. Das Wichtigste aber war der Preis. Für damals ganze 2.800 DM (Heute bekommt man dafür gerade
mal einen Roller !) war mir das Aussehen zunächst einmal egal. Umgebaut sollte sie
ja sowieso werden und fahren tat die Kiste ja.
Also Vertrag gemacht, bezahlt und angemeldet.
Informationen zum original Motorrad BMW R75/5 könnt ihr hier sehen. BMW
R75/5
Im ersten Jahr bin ich das Motorrad nahezu in diesem Zustand gefahren (siehe
Foto) aber zum Herbst begannen die Planungen mit dem Umbau. Die Gummikuh sollte
komplett zerlegt und neu aufgebaut werden. Dabei sollte die Optik ein wenig in
Richtung Chopper tendieren.
Gesagt getan: Das Motorrad wurde zum Herbst abgemeldet und an einem Wochenende
komplett zerlegt. Bereits jetzt kamen mir erste Zweifel, ob ich die ganzen Teile
alle wieder an ihren richtigen Bestimmungsort zurück bringen könnte, aber
einmal angefangen gibt's halt kein zurück mehr.
Alles wurde gereinigt, beschriftet und gut eingetütet. Den Rahmen lies ich neu lackieren
und eine Reihe von Teilen wurde zum Verchromen gebracht. Beide Arbeiten würde
ich immer wieder aus der Hand geben. Der Aufwand dieses in gleicher Qualität
selbst zu machen ist einfach zu groß. Etliche Zubehörteile wurden neu
angeschafft, wie z.B. der Lenker, die Ochsenaugenblinker, die verkürzten
Stoßdämpfer hinten und die Sitzbank. Der gesamte alte Kabelbaum wurde durch
einen selbst angefertigten ersetzt.
Meine Planung besagte, es solle ein Einsitzer
werden bei dem man bei Bedarf schnell ein zweites Sitzkissen montieren kann um,
wenn es nicht anders geht (alleine fahren bringt halt viel mehr Spaß !) einen
Sozius unterbringen zu können. Eine Art Topcase sollte her um das Nötigste an
Kleinkram (Regenkombi, Werkzeug, etc.) unterbringen zu können, aber die
angebotenen Plastikkoffer passten nun gar nicht in das optische Bild.
Lange
hatte ich hierfür keine Lösung, bis eines Abends ein Freund in der Kneipe
meinte:
"Dein Umbau ist ja echt Wernermäßig ! Fehlt nur noch das Bierfass hinten
drauf !"
DAS WAR DIE IDEE !
Ein als Topcase umgebautes Bierfass, natürlich verchromt. Gesagt, getan. Das
Ergebnis könnt ihr unten bewundern.
Mein Motorrad seit nunmehr 14 Jahren (gekauft im April 1988).